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Werlte im 1. Weltkrieg

Werlte im 1. Weltkrieg

Werlte im 1. Weltkrieg

Wintersemester 1916/17
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In Rücksicht auf die wegen der ungünstigen Witterung eingetretene verspätete Kartoffelernte hatten die Kinder der Ober- und Mittelklasse auf Anordnung des Herrn Kreisschulinspektors vom 9. bis 29. Oktober nur täglich 3 Stunden Unterricht. (…) Schuljahr 1917/18 Sommersemester
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Infolge Fehlens von Arbeitskräften musste verschiedenen Schülern und Schülerinnen der beiden Oberklassen von Ostern bis zu den Sommerferien (19. Juli) häufig Urlaub erteilt werden. Sie mussten Hilfe leisten beim Kartoffelpflanzen, Torftragen, Heuen etc.
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Wintersemester 1917/18

In der letzten Stunde des ersten Schultages am 16. Oktober fand anlässlich des 70. Geburtstages unseres Generalfeldmarschalls von Hindenburg eine Feier statt. Dieselbe bestand aus der Ansprache des Hauptlehrers und dem Gesange „Deutschland, Deutschland etc“. Eine am folgenden Tage angeregte Sammlung von Beiträgen zur Hindenburg-Gabe ergab 44 M. Dieselbe wurde auf das Postscheckkonto der Hindenburg-Gabe, Berlin N.W. Nr.: 34640 eingezahlt.
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1.1.1918: Rückblick auf das Jahr 1917.
41 Monate, oder, das Jahr zu 365 Tagen gerechnet, 1248 Tage dauert nunmehr der Krieg. Wiederum geht ein Kriegsjahr zu Ende. Ein Jahr glänzender militärischer Erfolge im Westen und Osten, im Süden, auf dem Wasser und unter dem Wasser. Ein Jahr aber auch gewaltiger Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiete. Die strenge Kälte, die um die Mitte des Monats Januar begann, verursachte auch hier Mangel an Brennmaterial, wurde doch, wenn es zu haben war, für ein Fuder Torf 15 – 16 Mark gezahlt. Die Kartoffelnot im Frühjahr trat auch hier in manchen Familien in empfindlicher Weise auf. Recht fühlbar war auch der Petroleummangel, Karbid wurde das Pfund mit 1 Mark bis 1,20 Mark bezahlt. Wucherpreis! Die erhöhten Fleischzulagen im Sommer haben außerordentlich verheerend in dem Viehbestande unserer Landwirte gewirkt.

Trotz der Schwierigkeiten, trotz des Arbeitermangels, trotz des Futtermangels, trotz der zahllosen, vielfach tief einschneidenden behördlichen Verfügungen hat die Landwirtschaft auch im Jahr 1917 das deutsche Volk ernähren können. Unter dem Arbeitermangel hat die Schule, besonders die oberen Klassen, arg gelitten, indem die größeren Kinder aus diesem Grunde häufig, ja sehr häufig beurlaubt werden mussten. Anfang Januar wurden aus unserer Gemeinde 1211 Pfund Speck als Hindenburgspende an die Industriearbeiter abgeschickt. Durchschnittlich wurden von jeder Hausschlachtung 3 Pfund abgegeben, vielfach unentgeltlich. In den Tagen vom 5. bis 10. Juni sammelten die Knaben der Oberklasse 15 Kg Kupfer, Messing, Blei, Zinn und Zink für die Heeresverwaltung. Für die U -boot - Spende sind in der Gemeinde Anfang Juli 75 Mark gesammelt, die Rote-Kreuz-Sammlung Mitte Juli ergab 109 Mark und die Sammlung für Lesestoff unserer Krieger 106 Mark. Auf die Kriegsanleihe sind durch die Werbung des Hauptlehrers 46.300 Mark aus der Gemeinde gezeichnet, davon durch die Schulkinder 25.300 Mark.

Auf die 7. Kriegsanleihe sind von den Schulkindern 6.900 Mark gezeichnet. Außerdem sind durch Werbung des Hauptlehrers aus der Gemeinde 21.500 Mark gezeichnet. Im Ganzen sind aus Werlte auf die 7. Kriegsanleihe bei der Post, der Sparkasse, bei Th. Kreutzmann und bei Herm. Cordes 59.500 Mark gezeichnet worden. Am 28. 9. sind an den Magistrat der Stadt Osnabrück 31 Pfund Kirschen-, Pflaumen- und Pfirsichkerne abgeschickt, die von den Schulkindern gesammelt sind. Durch eine Sammlung unter den Schulkindern ergab die Hindenburg – Spende 44 Mark. Die Pilzsammlung der Schulkinder zeitigte den schönen Betrag von über 200 Mark. Auf Anordnung des stellvertretenden Generalkommandos wurden am 14. Mai für die Zwecke der Kriegsindustrie 29 Orgelpfeifen (Prospektpfeifen) an die Sammelstelle Koopmann in Sögel abgeliefert. Sie hatten zusammen ein Gewicht von 150 kg und wurden mit 980 Mark bezahlt. Zu dem gleichen Zwecke wurden zwei unserer Glocken an die vorhin genannte Sammelstelle abgeliefert. Vom Mühlenbauer Abeln wurden sie im Turm zerschlagen. Zusammen hatten sie das Gewicht von 1710 kg, die kleinere wog 664 kg, die größere 1046 kg. Bezahlt wurden für beide Glocken 6.130 Mark. Die kleinere trug die Inschrift: „Sancto Josepho. Im 5. Jahre nach Einweihung der neuen Kirche im Auftrage des Kirchenbauvorstandes Amtmann Russel, Pfarrdechanten Vieler und der Gemeindebevollmächtigten Joh. Kreutzmann, H.D. Holtmann, Joh. Hömmen aus Werlte, H. Jansen aus Harrenstätte und Abel Tholen aus Wieste , gegossen von Petiet u. Gebr. Edelbrock aus Gescher 1839.“ Die größere trug die Inschrift: „Sancto Laurenti Livitae et Martyri. Petiet et Fratrer Edelbrock me fecerunt in Gescher 1839.“ Gefallen sind in diesem Jahre in unserem Orte 5, in Gefangenschaft geraten sind drei und 11 mit dem Eisernen Kreuze II. Kl. ausgezeichnet. Möge das neue Jahr das letzte Kriegsjahr sein! (…) Weil am 27. Januar Sonntag war, wurde die Feier des Geburtstages Seiner Majestät auf den 28. Januar verlegt. An dieser Feier nahmen auch die Kinder aus den Schulen zu Bockholte, Wieste und Wehm teil.

Nach Beiwohnung der Hl. Messe fand auf der Aula die Feier statt. Kinder aus der Schule zu Werlte trugen zunächst entsprechende Gedichte vor, dann hielt Kollege Stecker aus Wehm die Festrede. Darauf folgten das Kaiserhoch, die Kaiserhymne und „Deutschland, Deutschland“. Mit einem Gebet für den Kaiser und seine Familie wurde die Feier geschlossen. Hierauf war schulfrei. Am 5. März war schulfrei wegen des Friedens mit Russland. (…) Schuljahr 1918/19 Sommer-Semester (…) Mit Rücksicht auf die Erfordernisse der Kriegswirtschaft hat der Herr Oberpräsident den Wiederbeginn des Unterrichts nach den Osterferien auf Freitag, den 5. April d.J. festgesetzt. (…) Winter-Semester 1918/19 (…) Vom 28. Oktober bis zum 11. November wurde der Unterricht wegen der starken Ausbreitung der Grippe auf Anordnung des Herrn Kreisschulinspektors ausgesetzt. (…)