Eingabehilfen öffnen

Werlte im 1. Weltkrieg

Werlte im 1. Weltkrieg

Werlte im 1. Weltkrieg

Auch in der Schulchronik wird vor Ausbruch des Krieges die vaterländische Gesinnung und das Zusammenstehen aller Deutschen betont, an den immer häufigeren Freistellungen von Schülern für Erntearbeiten und den ab 1915 zunehmenden Sammlungen zeigt sich jedoch immer deutlicher die prekäre Rohstoff- und Versorgungslage. Auch der Wunsch nach Frieden wird immer häufiger geäußert. Die Aufzeichnungen sind in der Regel von großer Sachlichkeit geprägt, nur bei der Schilderung der Teuerung und des Kriegsendes kann der Chronist seine emotionalen Empfindungen nicht zurück halten.

Hier einige Auszüge aus der Schulchronik:

Schuljahr 1914/15 Sommersemester
(…)
Am 31. Juli wurde über Deutschland der Kriegszustand verhängt. Am 1. August, nachmittags um 19.30 Uhr, kam hier die Nachricht über die Mobilmachung in Deutschland. Überall Aufregung und Begeisterung im Orte. Am 8. August, nachmittags 6.00 Uhr, traf hier die Nachricht ein: Die deutschen Truppen haben heute Morgen 8 Uhr Lüttich im Sturm genommen. Der erste Sieg.
(…)
Berlin 10. August: Ins Oberelsass und nach Mühlhausen eingedrungene Franzosen wurden von unseren Truppen gestern Abend angegriffen und heute Vormittag aus ihren verschanzten Stellungen geworfen und total geschlagen
(…)

Wintersemester 1915
(…)
Der Geburtstag Seiner Majestät wurde in folgender Weise gefeiert: Nach dem Hochamte versammelten sich die Kinder aus Wehm, Wieste, Bockholte und Werlte in einem Klassenraum der Werlter Schule. Die Werlter Kinder trugen zunächst Gedichte vor. Darauf hielt Herr Eissing –Wieste- die Festrede. Nach dem Kaiserhoch wurden patriotische Lieder gesungen.Ein Gebet für Kaiser und Reich beschloss die ernste Feier.
Am Dienstag, 2. Februar trafen hier ungefähr 250 Flüchtlinge, meist Frauen und Kinder, aus Ostpreußen ein. Sie wurden zunächst in der Schule mit Kaffee und Butterbrot bewirtet, darauf auf die umliegenden Ortschaften verteilt. In Werlte blieben 40.
(…)
Schluss des Schuljahres war am 31. März, 12.00 Uhr. Mögen uns bald im neuen Schuljahr die Friedensglocken läuten!

Schuljahr 1915/16 Sommersemester 1915
(…)
Um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen, trafen hier anfangs Juli 10 gefangene Russen ein. Sie wurden im Gemeindehause untergebracht. Wie verlautet, ist man mit den Arbeitsleistungen derselben allgemein gut zufrieden. Die Arbeitgeben zahlen für den Tag und Mann 35 Pfennig, außerdem haben sie für die Beköstigung zu sorgen, auch für die Sonn und Feiertage.
(…)
Am 23. Juli trafen hier 20 gefangene Engländer ein, um Arbeitshilfe zu leisten. Es sind meist junge Burschen von 20 Jahren. Sie sollen leichter auf der Kost sein als die Russen, die Arbeitgeber haben dieselben unter denselben Bedingungen wie die Russen. Sie wohnen auch im Gemeindehause. Auf Anordnung des Herrn Ministers sammelten unsere Kinder in den Tagen vom 17. bis 20. August Weidenröschen. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: „In der deutschen Juteindustrie werden zur Zeit Versuche angestellt, als Juteersatz Faserstoffe zu verwenden, die aus den überall in unserem Vaterlande wild wachsenden, im Volke als Weidenröschen bekannten Pflanzen (Epilobium) zu gewinnen sind. Zur Sammlung der erforderlichen, nicht unbeträchtlichen Pflanzenmengen wird die Hilfe der Schulkinder unter Anleitung ihrer Lehrer gewünscht:“
(…)
Am 8. September 1915 starb W. Gehrz, Lehrer in Bockholte, für das Vaterland im Argonnerwald bei einem Sturmangriff. Er war drei Jahre Lehrer in Bockholte und zeichnete sich durch Pflichteifer und bescheidenes Wesen aus. Ehre seinem Andenken!

Wintersemester 1916

Auf Anordnung des Herrn Kreisschulinspektors sollen die Kinder der beiden Oberklassen wegen Aushilfe in Bezug auf die Herbstarbeiten noch bis zum 1. November täglich nur 3 Unterrichtsstunden haben. Auf Veranlassung des Königlichen Landratsamtes haben die Kinder unserer Schule annähernd 200 Pfund Holunderbeeren gesammelt. Für 100 kg wird die Speditionsfirma Knauer in Berlin 6 Mark zahlen.
(…)
Am 21. Oktober war die Feier der 500-jährigen Herrschertätigkeit der Hohenzollern. Nach der Festrede wurde das Kaiserhoch ausgebracht und darauf die Kaiserhymne und „Deutschland, Deutschland über alles“ gesungen. Mit einem Gebete für das Kaiserhaus und um baldigen siegreichen Frieden schloss die Feier. Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.
(…)
Der Geburtstag Seiner Majestät wurde in folgender Weise gefeiert: Nach dem Hochamte versammelten sich die Kinder von Wehm und Wieste in einem Klassenzimmer der Werlter Schule. Zunächst trugen einige Kinder aus Wehm und Wieste Gedichte vor. Darauf hielt Kollege Rudolf die Festrede. Nach dem Kaiserhoch wurden patriotische Lieder gesungen. Mit einem Gebete für den Kaiser und um baldigen Frieden schloss die Feier. Bis zum 29. Januar haben unsere Kinder annähernd 17.000 Mark Goldgeld gesammelt.
(…)
Zur 4. Kriegsanleihe haben unsere Schulkinder 18.000 Mark gezeichnet.
(…)