Wie sehr lange vor 1914 ein Großer Krieg allgemein erwartet wurde, wird auch z.B. in der bereits vor 1910 entstandenen Hümmlinger Skizze „Bi Hömmen Trinke“ deutlich. Es scheint, als hätte man geahnt, dass aus dem Balkankonflikt und der bestehenden Mächtekonstellation sich jederzeit ein großer Krieg entwickeln könnte; man vertraute jedoch auch auf die eigene Stärke, die militärischen Fähigkeiten Preußens und die „Kruppschen Kanonen“: Am Sonntagabend trifft sich das Dorf in der Kneipe „Bi Hömmen Trinke“ und diskutiert das Tagesgeschehen:
„Kinners, Mensken, wat geiht dät d`r nu wär här in de Zeitungen, me sullde boalde meinen, et güff wer Krieg.“ „Jä, dät is wall so,man me känn d´r nich rächt klauk ut werden.“ „Wo där Wärk rächt sitt, weit ick uk nich, dät geiht ümme Bosnien und Serbarien of so – dei häff dei Käonik van Östreich in Täske stäken, sei stünnen süss unner dei Türken.“ „Jä, man wat häff wi dänn mit den Spektaokel tau daun?“ „Dät wie ´k nich, - of dei Englesken doar wall mit unnersittet tau hissen?“ „Nä du, dät kump van dei Russen, - dei willt daor uk `n Lappen Grund van häbben, man sei dröwet den Östreichsken nich än, dänn kriget sei`t mit Prüßen tau daun, - weist du, - dei Kaiser van Östreich un wat den usen is, dei bünnt äöewerin kaomen,wenn d?r well kump un will eine van dei beiden wat,dänn kümp dei Ännere un güff üm `n Trähe van Ächtern, dänn weit hei forts, dät hei`t mit tweie tau daun häff.“ „Jao, den Prüßen, den trauet se nich, dei häff`t meiset Pärdevolk un dei dicksten Knunnen.“ „ Dät will`k wall läöwen, Junge, fät känn me jä wall hören, wenn Krupp günne bi Möppen schütt, - bi Südwesten Wind dänn bäwet dei Däören un Fensters in Huse.“ „Jä, man dei Russen,, dät is`n leip Volk, use Beske dei häff d`r genaug van vertellt, äs dei Kasaken hier wäsen bünt, uh Jasses, wat Mensken!“
„Wat ick seggen wull“, sagt Stienken Bauer pfiffig schmunzelnd, „mit dei Knunnen – jä – wat min Ohmsegger is, dei möste verlesten veierteihn Daoge naoh Straßburg un `ne Übung Maoken, dei häff mi d´r nülik noch van vertellt – hei is bi dei Haubitzen änstellt – daor käönt se mit scheiten, ick weit gaor nich, wo wiet wall – wenn dei Kugel drut is, dänn hört sei in dei ersten twei – drei Stunden gaor nich wär up tau fleigen, - daorümme käönt se uk in`t Oldenborgsche sücke Haubitzen nich haollen, sei mäöget se upstellen waor se willt, dei Baußel flügg alltied in`t Prüske, - un dänn güff`t Spektaokel, sei härren daor in Straßburg ähren Schiewenstand vör´n hogen Bärg hätt, man einmaol was ähr dät bedraogen, do härren sei in dei Drockte tau hoch türt, dei Kugel was äöwer`n Bärh suset un daor günne in Frankrick up dei Grund kaomen, sei här sück wär upnaomen, was wiedrflaogen, - här den Haohn up`n Kärktorn van Paris herunner klitket un was taulest daor gänz duhne tüsken Schina un Konstantinopel in`n Bärg ballert,- dei gänze Türkei häre trillt un bäwet, jao, dei Sultan un sine Frau wassen nett bi`n Koffee wäsen, sei härren naoh de Kinner gräpen un wassen ut`n Huse löppt, sei menden, dei Welt güng unner.“ (…) 7)
Auch wenn in dieser humoristischen Darlegung maßlose Übertreibungen vorgenommen und geographische Gegebenheiten völlig ignoriert werden, so ist sie dennoch ein Zeitkolorit der politischen Verhältnisse, aber auch des Vertrauens in die Kruppsche Waffentechnik. Krupp baute bis 1913 im Auftrag der Heeresleitung 2 sogenannte M-Geräte und im Laufe des Krieges weitere 10, das waren 42 cm – Mörser, also Steilfeuergeschütze, im Volksmund „Dicke Berthas“ genannt. Mit diesen „Kurzen-Marine-Kanonen“ konnte man bis zu 810 kg schwere Granaten mit jeweils 410 kg Sprengladung verschießen. Die Reichweite betrug je nach Schusswinkel und Ladung ca. 10 km. Entwickelt wurden diese Geschütze, um bei dem bei der Anwendung des SchlieffenPlanes notwendigen Durchmarsch durch Belgien die Festungswerke bei Lüttich zu zerstören.