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Werlte - Die Entwicklung eines bäuerlichen Dorfes zu einem Industriestandort -

Nach alten Urkunden in „Diepenbrocks Geschichte“ führte der Ort Werlte in früherer Zeit zuerst den Namen „Werelidde“ später „Werelithe“. Eine Urkundenabschrift aus dem 11. Jahrhundert berichtet von der Existenz eines Dorfes „Werlidde“. Nach einem Verzeichnis der „Corveyschen Güter“ in unserem Raum hatte Otto Graf von Zythen um 1107 "Werlithe" von Corvey als Lehen erhalten. Zu dieser Zeit verfügt die Gemeinde schon über eine Kirche, die im Jahre 1340 erneuert wurde.

Der Lehrer, Redakteur und Heimatforscher Hermann Abels versucht in seinem Buch „Die Ortsnamen des Emslandes„ aus dem Jahr 1929 eine Deutung des Namens „Werlte“.
Danach ist „Werlte“ ein zusammengesetztes Wort. Das darin enthaltene Grundwort „lithi“ oder „lede“ bezeichnet einen Geländeabhang.
Professor Jürgen Udolph, deutscher Namenskundler und Professor an der Universität Leipzig, versucht in der Radiosendung „Ortsnamen und ihre Bedeutung“ am 11.07.2011 auf NDR 1 Radio Niedersachsen ebenfalls eine Deutung des Ortsnamens „Werlte“.
Er ist der Ansicht, dass „Werlte“ ein komplizierter und sehr schwieriger Ortsname ist. Um das Jahr 1.000 herum erscheint es in den Formen „Werelidde“ und „Werelithe“. Von der Örtlichkeit her liegt Werlte leicht erhöht im Bereich der Mittelradde.
Es ist von einem gothischen Wort „Werilom“ auszugehen, welches zum Wort „Lippe“ führt. Das Wort „Lippe“ ist als eine „wulstige Erhöhung“ zu deuten; letzten Endes ist dies ein Wort für „Erhöhung“ oder „ Hügel“. Weiterhin ist dann von einer „ithi“-Bildung auszugehen, wobei es sich um ein altgermanisches Element handelt, welches aus 2 Teilen besteht, und zwar als erstes „Erhöhung“ und als zweites „ithi“; das heißt: Siedlung an oder auf der Anhöhe.

Aufgrund dieser Namensauslegungen ist davon auszugehen, dass die Siedlung des Ortes „Werlte“ ursprünglich westlich hinter der Anhöhe (großer Esch) der Mittelradde seinen Anfang nahm.
Da es sich bei den Straßenzügen „Oldenkamp“, „In der Knüve“ und „Auf dem Stroh“ um die ältesten Siedlungen handelt, die sich unmittelbar am großen Esch (Anhöhe) befinden, rechtfertigt die Annahme, das die Deutung des Ortsnamens Werlte von einer „Siedlung auf der Anhöhe“ hergeleitet werden kann.

Zwar ist im Osnabrücker Urkundenbuch auf einer Karte die erste Erwähnung mit 1000 n. Chr. angegeben, weitere Angaben werden darüber nicht gemacht. In einer Schenkungsliste des Abtes Drutmar wird im Jahre 1037 der Ort Werlte genannt, weitere Angaben werden auch hier nicht gemacht (Diepenbrock, S. 143).

Über Werlte liegen etliche schriftliche Abhandlungen vor:

  • Geschichte des vormals münsterschen Amtes Meppen von Dr. J.B. Diepenbrock aus dem Jahr 1885
  • Der Hümmling, herausgegeben vom Kreislehrerverein des Kreises Hümmling aus dem Jahr 1929
  • Werlte-, Beiträge zur Geschichte , Band I, aus dem Nachlaß von Hermann Droste, überarbeitet und herausgegeben von Joseph Meyer aus dem Jahre 1989
  • Schriften von Dr. Elisabeth Schlicht, Sögel

In Anlehnung an diese Quellen sowie dem vorhandenen Archiv der Stadt Werlte ist eine zusammenhängende Geschichte der Stadt Werlte entstanden, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Werlte auf der Zeitachse

ca. 3000 v Chr.

ca. 3000 v Chr.

Trichterbecherkultur und Hünengräber

Mit dem Zurückweichen des Eises nach der Eiszeit stellte sich der Mensch ein, der als Jäger dem Wild folgte. Lange Zeit konnte er das Gebiet von Werlte – und des ganzen Hümmlings - nur in der günstigen Jahreszeit aufsuchen. Im Winter zog er sich in wärmere Gebiete zurück. Es war wohl in der Mittleren Steinzeit, als sich die ersten Menschen in unserem Gebiet fest ansiedelten. In dieser Zeit ging man von der Jagd zur Viehhaltung und zu einem bescheidenen Ackerbau über.

Bis in diese Zeit reicht die Entstehung von Werlte und anderer Hümmlingdörfer zurück. Zeugen dafür sind die Großsteingräber. Das längste dieser Hünengräber (27,5 m) – die so genannten „Hoogen Stainer“ liegt in der Gemarkung Werlte. Seine Schätze werden im Landesmuseum in Hannover aufbewahrt.

ca. 3000 v Chr.

822

822

Gründung der Abtei Corvey an der Weser

Die Reichsabtei Corvey war im mittelalterlichen Deutschland eine der bedeutendsten karolingischen Klostergründungen. Karl der Große (747-814) hegte den Wunsch, im eroberten sächsischen Stammgebiet ein bedeutendes Benediktiner-Kloster zu gründen.

Kaiser Ludwig der Fromme begründete im Jahre 815 auf Veranlassung seines Vaters Karls des Großen ein Kloster in Hethis, unweit von Corvey, das von den Benediktinermönchen aus Corbie an der Somme bezogen wurde. Diese verlegten den Sitz im Jahr 822 an die Stelle des heutigen Corvey. Zur reichen ökonomischen Ausstattung des Klosters Corvey gehörte u.a. auch umfangreicher Grundbesitz im Emsland.

834

834

Erwähnung Werltes in einer Corveyer Urkunde

Eine Urkundenabschrift aus dem 11. Jahrhundert berichtet von der Existenz eines Dorfes „Werlidde“ an dem das Kloster Corvey bereits im Jahre 834 Besitzrechte gehabt haben muss. Die Schenkungsurkunde vom 07.12.834 besiegelte die Schenkung der Missionszelle Meppen von Kaiser Ludwig den Frommen an das Kloster Corvey.

Zur Missionszelle Meppen gehörte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch das Kirchspiel Werlte / Werlidde. Das Kloster Corvey bezog fortan von den Zinsbauern des Nordlandes Einkünfte.

834

1100

1100

Kirchenbau in Werlte

Es wird vermutet, dass im Jahre 1100 die erste Kirche in Werlte renoviert und teilweise erneuert wurde. Im 14.Jahrhundert wurde ein Neubau errichtet.

1252

1252

Bildung Niederstift Münster

Im Jahre 1152 (18.06.)verkauft Gräfin Jutta von Montjoie gemeinsam mit ihrer Mutter Sophie von Ravensberg ihre gesamten Rechte und Besitzungen im Emsland, auf dem Hümmling und in Ostfriesland an Bischof Otto von Münster, sodass die weltliche Herrschaft an den Bischof von Münster übergeht. Die Ämter Meppen, Vechta und Cloppenburg bilden fortan das „Niederstift Münster“.

Mit diesem Verkauf des Ravensberger Grundeigentums sowie der Rechte ging auch die Vogtei über den Corvey´schen Besitz an den Bischof von Münster über. Mit dieser Maßnahme festigte und erweiterte der münsteraner Bischof sein Territorium.

1252

1252 - 1553

1252 - 1553

Reformation für das „Niederstift Münster“

Der Fürstbischof von Münster, Franz von Waldeck, ordnet die Reformation für das Niederstift Münster an.

1612

1612

Katholischer Glaube für das „Niederstift Münster“

Nach dem Grundsatzbeschluss des Augsburger Religionsfriedens schreibt Ferdinand von Bayern, Fürstbischof von Münster, den katholischen Glauben für das „Niederstift Münster“ vor.

1612

1803

1803

Herzogtum Arenberg

Durch den Beschluss der außerordentlichen Reichsdeputation fällt das „Niederstift Münster“ dem Herzog Ludwig Engelbert von Arenberg zu.

1810 - 1813

1810 - 1813

Napoleonisches Frankreich

Der Hümmling und damit auch Werlte gehört zu Frankreich.

1810 - 1813

1815

1815

Königreich Hannover

Auf dem Wiener Kongress wird das gesamt Emsland dem Königreich Hannover zugeteilt.

1824

1824

Bistum Osnabrück

Das Amt Meppen und somit auch der Hümmling wird kirchlich wieder dem Bistum Osnabrück zugeschlagen.

1824

1829

1829

Abriss und Neubau der Kirche in Werlte

Im Jahre 1829 wurde die alte katholische Kirche in Werlte abgerissen und mit dem Neubau begonnen. Der beauftragte Architekt war Josef Niehaus. Die Bauzeit betrug 3 Jahre.

1866

1866

Königreich Preußen

Das Königreich Hannover und damit auch das Emsland werden mit dem Königreich Preußen vereinigt.

1866

1881

1881

Bau der Kreutzmanns Mühle

Im Jahre 1881 errichtete Mühlenbesitzer Wilhelm Kreutzmann (er besaß bereits eine Windmühle „Crusemanns Mühle“ auf dem Mühlenberg, die bereits im Jahre 1545 erwähnt wurde) an der Kirchstraße eine neue Windmühle, und zwar eine eineinhalbstöckige Gallerieholländer-Windmühle.

1893

1893

Krankenhaus in Werlte

Im Jahre 1893 konnte das Krankenhaus „St.Raphael Stift“ in Werlte eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Ein Erweiterungsbau folgte bereits im Jahre 1898. Im Jahre 1980 erfolgte eine Umstrukturierung zu einem Alten- und Pflegeheim.

1893

1898

1898

Hümmlinger Kreisbahn

Im Jahre 1898 konnte die Hümmlinger Kreisbahn mit der Strecke LathenWerlte eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Durch die Möglichkeit des Kunstdüngertransports mittels der neuen Eisenbahn blühten die Landwirtschaft sowie der allgemeine Handel auf dem Hümmling auf.

1945 - 1947

1945 - 1947

Besatzungszeit

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges steht Werlte während der Zeit von 19451947 unter englischer und polnischer Besatzung.

1945 - 1947

1946

1946

Bundesland Niedersachsen

Das Emsland wird dem neu gebildeten Bundesland „Niedersachsen“ zugeordnet.

1951

1951

Evangelische Kirche

Im Jahre 1951 konnte der Neubau der Evangelischen St. Lukas Kirche in Werlte unter Pastor Alfred Proll eingeweiht werden. Eine Erweiterung des Kirchengebäudes fand im Jahre 2003 statt.

1951

1953 / 1964

1953 / 1964

Beginn des Industriegebietes

Im Jahre 1953 wagte die Firma Kersten die Selbständigkeit mit einem Betrieb für Land- und Wiesenkultur auf einem Gelände an der Mecklenburger Straße. Dieser Betrieb war weltweit tätig.

Es folgte die Firma Fahrzeugwerk Bernard Krone im Jahre 1964, die sich ebenfalls an der Mecklenburger Straße ansiedelte. Mit diesen Firmen begann das wirtschaftliche Aufstreben der Gemeinde Werlte. Das Industriegebiet hat zwischenzeitlich eine Größe von rd. 300 ha erreicht. Viele Firmen haben sich angesiedelt und bieten rd. 1.900 Arbeitsplätze.

1968

1968

Inbetriebnahme der „Hümmling Kaserne“

Nach kurzer Bauzeit wurde die „Hümmling Kaserne“ in Werlte in Betrieb genommen. Dort zog ein Transportbataillon ein. Die Kaserne wurde am 29.06.2003 mit einem letzten Flaggenappell aufgegeben und geschlossen.

1968

1973 / 1974

1973 / 1974

Verwaltungsgebietsreform / Gemeindereform

Im Rahmen der Gemeindereform in Niedersachsen wurden die bislang selbständigen Gemeinden Bockholte, Ostenwalde, Wehm und Wieste aufgelöst und der Gemeinde Werlte zugeschlagen. Im weiteren Verlauf der Gemeindereform schlossen sich die Gemeinden Lorup, Lahn, Rastdorf, Vrees und Werlte zu einer Verwaltungseinheit, der Samtgemeinde Werlte mit Sitz in Werlte, zusammen.

2007

2007

Gymnasium in Werlte

Am 01.08.2007 wurde in Werlte ein eigenständiges Gymnasium durch den Landkreis Emsland eingerichtet.

2007

2006 / 2008

2006 / 2008

3N-Kompetenzzentrum

Inbetriebnahme des 3N-Kompetenzzentrums (Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe) auf dem Gelände der ehemaligen Hümmling Kaserne. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt in der Erarbeitung von technischen und wirtschaftlichen Konzepten der Bioenergienutzung. Im April 2008 eröffnete das „Klimacenter Werlte“ seine Pforten als Anschauungsprojekt für umweltpolitische Themen.

2013

2013

Power-to- Gas-Anlage

Der Autobauer „Audi“ hat in Werlte –angelehnt an die EWE-Biogasanlage an der Rastdorfer Straße – weltweit die erste „Power-to-Gas-Anlage“ mit 6 Megawatt zur Herstellung von synthetischem Methan als Pilotprojekt errichtet. Mit diesem Methangas, welches identisch mit fossilem Erdgas ist, lassen sich Kraftfahrzeuge klimaschonend betreiben.

2013

2017

2017

Vergabe der Stadtrechte am 22.03.2017

In Anerkennung dafür, dass die Gemeinde Werlte in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht hat, hat das niedersächsische Innenministerium die Stadtrechte an Werlte verliehen. Die entsprechende Urkunde hat der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, an den Werlter Bürgermeister Daniel Thele im Rahmen eines Festaktes übergeben.

2018

2018

Umgehungsstraße freigegeben

Nach einer einjährigen Bauzeit ist die neue Umgehungsstraße –in Fortführung der bisherigen Umgehungsstraße- mit einer Länge von 1,2 KM und einem Kostenvolumen von 1,6 Millionen Euro am 14.06.2018 für den öffentlichen Verkehr freigegeben worden. Die neue Straße, die durch das Gewerbe- und Industriegebiet führt, verbindet die Sögeler Straße mit der Harrenstätter Straße. Der Bau dieser Straße geht einher mit der Erweiterung des Gewerbegebietes mit einer Größe von 70 ha und ist die größte Infrastrukturmaßnahme der letzten Jahre.

2018

2020

2020

Neue Grundschule

Da die Grundschule an der Kirchstraße aus den Fünfziger-Jahren zu klein geworden war und nicht mehr den heutigen modernen Standard entsprach, musste ein neues Bauwerk für die Unterrichtung der rd. 450 Schüler*Innen geplant werden. Dieser Neubau mit 20 Klassenräumen sowie weiteren zusätzlichen Nebenräumen und einer großzügigen Aula für einen durchgehenden fünfzügigen Schulbetrieb wurde im August 2020 am Hilligenweg fertiggestellt.

Dieses Zehn-Millionen-Euro –Projekt ist eines der größten Bauprojekte in der Geschichte der Stadt Werlte.